Warum wir Scharf fühlen

Die Wahrnehmung von Schärfe welche durch den Genuss von Chilis verursacht wird entsteht durch die Reizung von Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) und nicht wie gemeinhin angenommen durch die Reizung der Geschmacksknospen in Mund- und Rachenraum. Die in Chilis enthaltenen Scharfstoffe (Capsaicinoide) weisen in ihrer Struktur eine starke Ähnlichkeit mit sogenannten Phospholipiden auf. Phospholipide sind ein Hauptbestandteil der Doppelmembran von Zellen (Zellmembran). Durch ihre chemischen Eigenschaften können Phospholipide den Zellraum gegenüber dem Umgebungsmedium separieren und sind auch für den Signaltransport auf zellulärer Ebene von enormer Wichtigkeit auf Grund ihrer Besonderheit Signale in das Zellinnere zu transportieren und umgekehrt.

Diesen Vorgang kann man sich als Schlüssel-Schloss-Prinzip veranschaulichen. Ein Rezeptor, im Allgemeinen, funktioniert nur dann wenn ihn eine Reizung stimulieren kann. Im Ruhezustand wird der Nozizeptor durch ein bestimmtes Phospholipid blockiert, wodurch keine Reizung zustande kommen kann. Scharfstoffe haben jedoch durch ihre Ähnlichkeit im Molekülaufbau mit diesem bestimmten Phospholipid die Eigenschaft diese Blockade zu lösen und können ebenfalls eine Reizung eines Nozizeptors bewirken. Diese Reizung wird dann von uns als Schärfe empfunden. Bei dem Genuss von Chilis wird dem Körper gleichsam eine Verbrennung vorgetäuscht worauf dieser mit Schwitzen, erhöhter Pulsfrequenz sowie mit der Ausschüttung körpereigener Opiate (Endorphine) antwortet.

Nozizeptor Nozizeptor (Quelle:Wikipedia)